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Nachhall: OJM-Expeditionen Roman Haubenstock-Ramati


Am Donnerstag, 11. Mai waren wir mit unserem Streichquartett im Rahmen der  OJM-Expeditionen zum zweiten Mal zu Gast im NS-Dokumentationszentrum, um einen Komponisten den ihm gebührenden Raum zu geben, der ihm infolge des Holocausts verwehrt geblieben ist. Begonnen hat der Abend mit einer beeindruckenden Führung durch die Ausstellungsräume des NS-Dokuzentrums, die bis auf den letzten Platz ausverkauft war. 

Im Konzert stand dann Roman Haubenstock-Ramati im Mittelpunkt, der "Grenzgänger zwischen Grafik und Komposition" wie ihn Daniel Grossmann nannte. Für diesen Abend tauschte der Dirigent des OJM seinen Taktstock gegen ein Mikrofon ein und brachte uns lebendig und anschaulich das - wenn auch nur bruchstückhaft überlieferte - Leben und Werk dieses zurückhaltenden Visionärs und radikalen Verfechters der offenen Form näher.

Neben Komponist Beat Furrer, der via Videointerview über seinen Lehrer und Freund Roman Haubenstock-Ramati erzählte und ihn radikaler als Stockhausen und Cage nannte, zumindest was die Auseinandersetzung mit der offenen Form betrifft - Beat Furrer studierte in den 1970er Jahren bei RHR an der Musikhochschule in Wien -, kam auch Haubenstock-Ramati selbst zu Wort. Daniel Grossmann las aus dessen autobiographischen Aufzeichnungen, in denen er auch über seine "besondere Verwandtschaft" zu Anton Webern sowie über seine kompositorischen Prinzipien spricht: 

"Wie er [Webern], versuche ich immer eine neue Form zu finden. Form, im Sinne eines Prinzips, halte ich für das Primäre in der Musik überhaupt. Sie allein sichert das Gleichgewicht zwischen Raison und Phantasie und verhindert ein Überwiegen einer dieser beiden Elemente. Eine Form muss erfunden werden, die kompositorische Arbeit wird wieder zu einem Akt des Erfindens, und die Musik ergibt sich logisch aus dem Zusammenspiel der verschiednen Parameter."

So komponierte RHR 1958 zum ersten Mal eines seiner "Mobile, eine variable Form. Diese neue Form verlangt eine ihr spezifisch angepasste Niederschrift, die die Idee am deutlichsten sichtbar machen kann. Das Problem der Notierung ist eines der Hauptprobleme, mit denen ich mich beschäftigte; denn jede variable Form ist einzigartig und verlangt eine ständige Auseinandersetzung zwischen der kompositorischen Idee und den Realitäten des angewandten Prinzips und der Aufführungspraxis. Durch die ständige Weiterentwicklung von Formideen entfernte ich mich also auch immer mehr von der traditionellen Notenschrift und kam zu graphischen Zeichen dort, wo normale Noten meine Ideen nicht mehr sichtbar machen konnten."

Und selbstverständlich kam auch die Musik nicht zu kurz. Auf dem Programm standen Anton Weberns Streichquartett op. 28, 1. Satz (entstanden 1936-38) sowie RHR's Streichtrio Ricercari von 1948, in der neuen Fassung von 1978. Der musikalische Höhepunkt dieser ereignisreichen Stunde war zweifellos RHR's Streichquartett Nr. 2 (1977) mit absoluter Leiden- und Kennerschaft dargeboten von unseren Musikern Sándor Galgóczi, Emanuel Wiesler (Violine), Charlotte Walterspiel (Viola) und Aniko Zeke (Violoncello) - Gänsehaut und gespannt angehaltener Atem waren währenddessen zu spüren, im Anschluss waren begeisterte Gesichter zu sehen und anhaltender Applaus sowie Bravo-Rufe zu hören! 

Und das alles in einer Stunde. Was will man mehr?

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