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Moritz Gagern: Wandler zwischen den Welten


Verspielte Klarinette begleitet von einer akustischen Band – das versteht man gemeinhin unter Klezmer. Anders beim OJM. Wir haben den Komponisten Moritz Gagern mit einer abendfüllenden Neukomposition beauftragt, die nicht weniger sein soll als eine zeitgenössische Neudefinition von Klezmer auf der Grundlage des europäischen und sehr vielseitigeren Originals. Was genau das heißt und wie Moritz Gagern diese komplexe Aufgabe bewerkstelligt, das erzählen wir euch in einem der nächsten Beiträge.

Heute geht es um Moritz Gagern selbst: Wer ist dieser Mensch, der sich auf diese spannende Forschungsreise „back to the future“, gewappnet mit abstrakter musikalischer Reflexion eingelassen hat? Der diese nicht mehr existente, nie aufgeschriebene Klangwelt in seinem Werk Nigunim für Orchester im heutigen Jargon wiederauferstehen lässt, der sich für zeitgenössischen Klezmer-Rohstoff für Orchester interessiert.

Wer sich die Homepage und die Biographie von Moritz Gagern ansieht, wird ihn vielleicht als Wandler zwischen den Welten und Kulturen erkennen, als einen, der mäandert, flaniert, der sich mit allen Sinnen der Reflexion, mit seinem scharfen Verstand der Kunst verschrieben hat. Als einen der mit großer Begeisterung im Zufälligen das System entdeckt, der Widersprüche aufdeckt, manchmal als Schein entlarvt und nutzbar macht.

Sei es in seinen konzertanten Werken (aufgeführt bei Festivals wie MaerzMusik Berlin, TonLagen Dresden, Festspielhaus Hellerau, Heidelberger Frühling oder Taipei Arts Festival), in seinen Experimenten mit zeitgenössischen Formen des Musik- und Tanztheaters (u.a. Hacking Wagner bei den Münchner Opernfestspielen 2013 und diverse Arbeiten am Münchner Residenztheater und der Schauburg, an den Schauspielhäusern von Bochum und Dresden, bei der Ruhrtriennale und in Berlin am Deutschen Theater, der Volksbühne, am Ballhaus Naunyn, den Sophiensaelen sowie an der Neuköllner Oper). Sei es als Mitglied einer Band aus klassischen Schaschmaqam-Musikern sowie progressiven Rock- bzw. Jazzmusikern, gegründet 2015 in Taschkent, Usbekistan. Oder als Autor und Dramaturg (u.a. bei der Uraufführung Babylon von Widmann/Sloterdijk an der Bayerischen Staatsoper 2012).

Das Konzert für 50 Windgongs und kleines Ensemble (UA 2010, Hellerau) ist auch eine begehbare Installation, bei der nicht nur die Gongs, sondern auch die Besucher in Schwingung geraten können. Denn Windgongs geraten in Schwingung, wenn ein Geräusch oder Ton erklingt. Die Klangstruktur der Windgongs bildet das musikalische Ausgangsmaterial. Ihre Funktion als Quelle von neuem Tonmaterial ist ebenso zentral für das Konzert wie die spezifische Hängung. So entstehen gleichzeitig eine Rauminstallation und ein völlig neuartiges Instrument.


Der 1973 in München geborene Moritz Gagern lebt seit Mitte der 1990er Jahre in Berlin. Dem klassischen Klavierunterricht folgte eine Jazzausbildung (Komposition, Harmonielehre, Arrangement, Improvisation) u.a. am Berklee College of Music, Boston; weiterhin studierte er in Paris, Freiburg und Berlin. Zudem schloss er ein Studium der Philosophie, Musikwissenschaft und Geschichte an der Humboldt-Universität ab. 2010 war er Stipendiat am Deutschen Studienzentrum in Venedig, seine Kammeroper Lovesick wurde 2010 in der Opernwelt als Uraufführung des Jahres genannt. Mit seinem Musiktheaterprojekt Synchron City war er 2008 Förderpreisträger der Ernst-von-Siemens-Musikstiftung. Zudem war Moritz Gagern Gründungsmitglied und Stipendiat der Akademie Musiktheater heute.

Wie klingt der Südpol? Dieser Frage geht Moritz Gagern bei Zum Südpol. Eine Klanginstallation des Unbewohnbaren nach. Entstanden ist dieses Projekt im Rahmen der Uraufführung von Miroslav Srnkas Oper South Pole (Bayerische Staatsoper, 2016), zu hören war es vom 17. Januar bis 11. Februar 2016 unter dem Portal des Nationaltheaters. 

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